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Literaturempfehlung: Geschichte der Resistenza

Antifaschistischer Widerstand in Italien – von Santo Peli

Santo Peli, eremitierter Wissenschaftler der Universität Padua hat zahlreiche Publikationen zur Resistenza veröffentlicht. 2004 erschien „Storia della Resistenza“ zum ersten Mal in deutscher Sprache, übersetzt von Andreas Löhrer.

Die italienische Resistenza setzt im Vergleich zu anderen Widerstandsbewegungen im nationalsozialistisch besetzten Europa erst spät ein. Der September 1943 markiert die Geburtsstunde der Resistenza, die in den folgenden 20 Monaten bis zur Befreiung Ende April 1945 gegen den Nationalsozialismus und den italienischen Faschismus kämpfte.

Im Vorwort zur deutschen Ausgabe „Storia della Resistenza“ skizziert Peli die Vorgeschichte bis zum 8. September 1945. Er erläutert den internationalen Kontext und nimmt einige seiner Interpretationen vorweg.

Die eigentliche Darstellung der Resistenza ist in zwei Teile gegliedert. Erstens, das ist der größte Teil des Buches, die Geschichte der Resistenza und der zweite, kürzere Teil des Buches, ist den Protagonisten gewidmet. Peli unterscheidet dabei fünf Phasen der Resistenza. Erstens die Anfänge der Partisanenbewegung vom 8. September bis Ende 1943. Zweitens die Konsolidierung und den Aufbau der Partisanengruppen im ersten Halbjahr 1944. Drittens die Ausweitung der Bewegung von Juni bis August 1944 und für die Einrichtung sogenannter „Zone libere“- freie Gebiete. Viertens die Aktionen von August bis Dezember 1944 sowie die Krise während des harten Winters 1944/45 und fünftens die „Insurrezione „ – der finale Aufstand.

Im ersten Teil richtet er dabei den Fokus auf die klassische,  militärisch-politische Geschichte. Neben dem bewaffneten Widerstand beleuchtet er auch die Rolle der antifaschistischen Parteien, der nationalen Befreiungskomitees – Comitati di Liberazione Nationale -, die Beziehung der Resistenza zu den Allliierten sowie die Streiks der Arbeiterbewegung. Deutlich wird in diesem Kapitel, dass der bewaffnete Widerstand eine Minderheit darstellte, der dem faschistischen Italien der „Massenungehorsam“ in Form von Wehrdienstverweigerung und Streiks seiner Bürger gegenüberstand.

Im zweiten, den Protagonisten gewidmetem Teil im ersten Unterkapitel, stellt Peli die lange marginalisierte Rolle der Frauen in der Resistenza dar. In der Erfahrung aber, vor allem in der Erinnerung der Geschichtsschreibung, wurde die Rolle der Frauen als unterstützende und ergänzende Rolle im  Vergleich zum männlich dominierten bewaffneten Widerstand wahrgenommen und nicht in der tatsächlich ausgeübten Funktion.

Ein zweites, in drei Teile gegliedertes Unterkapitel, das den Protagonisten gewidmet ist, beschäftigt sich Peli mit den unterschiedlichen Formen der Ablehnung des Krieges.

Im ersten Teil die Geschichte der über 600.000 italienischen Militärinternierten, die nach dem 8. September 1943 in deutsche Gefangenschaft gerieten, weil sie sich weigerten den Krieg auf Seiten des ehemaligen Verbündeten fortzusetzen.

Im zweiten Teil des Unterkapitels beschreibt Peli das Phänomen der massenhaften Kriegsdienstverweigerung in der „Republica Sociale Italiana“. Peli betont dabei die Wechselwirkung zwischen Kriegsdienstverweigerung und Partisanenbewegung: Die massenhafte Kriegsdienstverweigerung begünstigte einerseits die Resistenza, während andererseits die Existenz der Partisanenbewegung die Kriegsdienstverweigerung förderte.

Im dritten Teil des Unterkapitels zeigt Peli auf, wie sich die Kriegsdienstverweigerung nicht nur auf den von den Deutschen besetzten Teil Italiens auswirkte, sondern auch das Königreich Italien im Süden im Herbst 1944 unter der Bonomi-Regierung zu Zwangsrekrutierungen zwang. Als „Inonsiparte“ bekannt sind die Revolten, die diese Maßnahmen hervorriefen.

Am Ende des Buches resümiert Sato Peli, dass die bisherige Forschung über die Resistenza hauptsächlich auf den bewaffneten Widerstand konzentriert ist. Die Ablehnung des Krieges und die vielfältigen und unterschiedlichen Verhaltensformen weitgehend unbenannt seien. Es bleibe „noch viel zu tun“.

Mandelbaum Verlag
240 Seiten, 2024
ISBN 987399136-051-3
22 Euro

CategoriesHistorisch