„Die Frage ist also nicht nur, wie wir unsere Freizeit verbringen, sondern auch, unter welchen Bedingungen sie überhaupt existiert.“
Freizeit – eigentlich ein ziemlich angenehmes Thema für eine Zeitung, dachten wir uns. Ein bisschen Sport, ein bisschen Urlaub, vielleicht ein gutes Buch, Freund*innen treffen oder einfach mal nichts tun. Doch je länger wir uns mit dem Schwerpunkt dieser Ausgabe beschäftigt haben, desto deutlicher wurde: Ganz so einfach ist es nicht.
Denn wie frei ist unsere freie Zeit eigentlich? Wer bestimmt darüber, wie viel davon wir haben? Wer kann sie sich leisten? Und warum wird gerade wieder so viel darüber gesprochen, dass wir länger, mehr und härter arbeiten sollen?
Damit waren wir ziemlich schnell bei der Frage, die nun auch auf dem Titel dieser Ausgabe steht: Wem gehört unsere Zeit?
Wie schon beim Schwerpunkt Freiheit in unserer letzten Ausgabe wollen und können wir darauf keine abschließende Antwort geben. Stattdessen wollen wir verschiedene Perspektiven zusammenbringen, Fragen aufwerfen und zur Diskussion einladen. Denn Freizeit ist mehr als die Zeit zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn. Wie viel Zeit uns tatsächlich zur freien Verfügung steht, hängt auch davon ab, wie lange wir arbeiten, wie viel unbezahlte Sorgearbeit wir übernehmen, wie viel Geld wir haben – und welche Möglichkeiten es überhaupt gibt, unsere Zeit nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Deshalb nähern wir uns unserem Schwerpunkt zunächst grundsätzlich und fragen auf der Titelseite, warum Freizeit neu gedacht werden muss. Auf Seite 3 geht es anschließend darum, was Konsum, Geld und sozialer Status mit unserer Freizeit zu tun haben. Natürlich haben wir auch dieses Mal Menschen gefragt, was Freizeit für sie ganz persönlich bedeutet.
Einen Blick zurück werfen wir mit Hans Gasparitsch. In einem Interview aus dem Jahr 1984 erzählt er von den Arbeitersportvereinen der Weimarer Republik – Orten, an denen Sport, Geselligkeit, Solidarität und politische Organisierung zusammengehörten. Besonders spannend fanden wir dabei, wie aktuell manches davon heute wieder klingt: Freizeit war eben nicht nur individuelle Erholung, sondern auch gemeinsam verbrachte und gestaltete Zeit.
Mit dem Internet und der Schaulust beschäftigen wir uns auf Seite 5, bevor wir auf Seite 6 die Frage noch einmal ganz grundsätzlich stellen: Müssen wir freie Zeit eigentlich erkämpfen? Danach heißt es: „Die Party ist vorbei“ – zumindest, wenn es nach all jenen geht, die uns derzeit erklären, wir müssten wieder mehr und länger arbeiten. Passend dazu haben wir mit Aktiven des Klassenkampf-Stammtischs darüber gesprochen, was Klassenkampf heute mit unserem Alltag zu tun hat und wie aus gemeinsamen Problemen auch gemeinsamer Protest werden kann.
Und weil Freizeit natürlich auch ganz praktisch irgendwo stattfinden muss, haben wir auf Seite 8 Tischtennisplatten und Spielplätze in Stuttgart-Ost zusammengetragen – Orte, an denen man sich treffen, bewegen, spielen oder einfach gemeinsam Zeit verbringen kann, ohne dafür Eintritt zahlen oder etwas konsumieren zu müssen.
Aber auch abseits unseres Schwerpunkts ist einiges passiert. Bereits zum zweiten Mal waren wir als Gasparitsch auf Bildungsreise. Dieses Mal ging es nach Westligurien, wo wir uns auf die Spuren der italienischen Partisan*innen und der Resistenza begeben haben. Neben unserem Reisebericht findet ihr dazu auch einige Literaturempfehlungen zum Weiterlesen.
Und wir blicken noch einmal auf unsere Bildungsreise im vergangenen Jahr zurück: Damals haben wir in der Toskana den Circolo L’Ortaccio kennengelernt – einen selbstorganisierten Treffpunkt, bei dem uns einiges ziemlich bekannt vorkam. Unsere Freund*innen aus Vicopisano erzählen uns in dieser Ausgabe von der Geschichte ihres Circolo und davon, was es bedeutet, einen solchen sozialen Ort von unten aufzubauen und über Generationen am Leben zu halten.
Natürlich geht es auch um das Gasparitsch selbst. Adrian erzählt, wie er zum Stadtteilzentrum gekommen ist und warum das Gasparitsch für ihn inzwischen „wie ein Zuhause“ ist. Außerdem haben wir unsere Kochgruppe gefragt, was eigentlich alles passiert, bevor bei einer Veranstaltung das Essen auf dem Tisch steht.
Und wir schauen über den eigenen Tellerrand hinaus: In unserer Stadtteilkolumne geht es dieses Mal um Stuttgart-Ost, und mit Aktiven des Stadtteilladens Anni Wadle in Kiel-Gaarden haben wir darüber gesprochen, wie aus Beratung, konkreter Unterstützung und Beziehungsarbeit Organisierung im Stadtteil entstehen kann. Dazu gibt es wieder jede Menge Lesestoff: unter anderem Welches Zuhause, Die Lage und – passend zu unserem Schwerpunkt – Michael Endes Momo.
Und natürlich gibt es auch dieses Mal wieder unser Bilderrätsel und die Kinderecke.
Wir hoffen, dass ihr beim Lesen genauso viel entdeckt, diskutiert und vielleicht auch hinterfragt, wie wir bei der Erstellung dieser Ausgabe. Und wie immer gilt: Das Blättle soll keine Einbahnstraße sein. Wenn ihr etwas anders seht, eine Idee für die nächste Ausgabe habt, selbst etwas schreiben wollt oder einfach mit uns über einen Artikel diskutieren möchtet – sprecht uns an!
Euer Gasparitsch, Oktober 2026
P.S.: Auch dieses Mal ganz unverblümt: Das Gasparitsch und das Blättle leben davon, dass Menschen mitmachen. Wenn ihr Lust habt, euch einzubringen, einen Artikel zu schreiben, Fotos zu machen, zu gestalten oder euch ganz anders zu beteiligen: Kommt auf uns zu oder schreibt uns. Wir freuen uns über neue Gesichter, Ideen und Unterstützung.




























