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Auf den Spuren von Partisan*innen – Bildungsreise nach Westligurien


Bereits das zweite Mal veranstalteten wir 2026 als Stadtteilzentrum Gasparitsch eine Bildungsreise. Wir wollten mit der Bildungsreise Geschichte nahbar und erfahrbar machen, die Erinnerungskultur aufleben lassen und die aktuelle politische Situation in Deutschland und Italien vor dem historischen Hintergrund betrachten. Gemeinsam als interessierte junge Menschen hatten wir damit die Möglichkeit, uns auszutauschen, kennenzulernen, gemeinsam zu lernen, uns zu erinnern, zu essen und zu feiern. Hier lest ihr nun den Bericht zu der gemeinsamen Bildungsreise.

Von 13. – 20.6.26 waren wir als Stadtteilzentrum Gasparitsch (in Kooperation mit den Rosa-Luxemburg-Stiftungen Hamburg und Baden-Württemberg) wieder auf Bildungsreise unterwegs. Unter dem Motto „Auf den Spuren der Partisan*innen“ ging es dieses Mal nach Ligurien. Wir haben im Casa Roggio in den Bergen zwischen Genua und Nizza gewohnt – genauer gesagt, in der Nähe von Testico in der Provinz Imperia. Es waren nur 20 Minuten mit dem Auto in die nächste größere Stadt (Andora) mit Supermarkt, Tankstelle und ans Meer. Da es total ruhig und wunderschön gelegen war, konnten wir (17 Personen und 1 Hund) es uns richtig gut gehen lassen. Auch dieses Mal hat uns ein abwechslungsreiches und sehr interessantes Programm erwartet.

Samstag, 13.6.: Um 6.30 Uhr trafen wir uns am Gasparitsch und sind mit 5 Autos losgefahren. Ohne Stau sind wir nach 8-9h gut im Casa Roggio angekommen, waren einkaufen, haben die Zimmer bezogen und wurden von Susi, die für das Haus und unser leibliches Wohl zuständig war, sehr lecker bekocht. Es gab Hummus, Risotto mit Safran und Spargel und einen Flan. Lecker war’s :). Zusätzlich gabs Infos zur Unterkunft und zum Programm. 

Sonntag, 14.6.: Mit den Autos ging es in ca. 10 Minuten nach Testico, mit Blick auf die Umgebung bekamen wir von unserem Guide Chris eine Einführung in die Geschichte der Resistenza. 

Danach fuhren wir mit den Autos weiter durch die Berge, um sie nach nur kurzer Fahrt im Wald abzustellen und uns uns zu Fuß auf den beschwerlichen Weg zur Gedenkstätte eines Partisan*innenunterschlupfs zu machen. Bereits an dieser Stelle der Bildungsreise wurde uns die besondere Geschichte der Gegend deutlich. Angekommen am völlig zerstörten Haus, dessen Standort nach dem Krieg verloren gegangen war und erst 1995 wieder gefunden wurde, legten wir eine kurze Pause ein. In diesem Haus wurde im Winter 1943 von Felice Cascione die ersten Strophen des Lieds „Fischia il vento“ gedichtet, als Widerstandslied gegen den herrschenden Faschismus in Italien. Nachdem wir über die Ursprünge des Liedes diskutiert, das Lied gemeinsam angehört und gesungen und über die Geschichte der Resistenza allgemein und in der Region diskutiert hatten, ging es wieder hinunter zu den Autos. 

Den Nachmittag verbrachten wir mit freier Zeit, je nachdem, wonach uns war: einige waren am Meer, Kaffee trinken und das Städtchen Andora erkunden, andere verbrachten die freie Zeit im Casa Roggio, abends waren wir gemeinsam Essen.

Montag, 15.6.: Wieder waren wir mit den Autos unterwegs, uns erwartete eine Rundfahrt zu wichtigen Orten der Resistenza aus der Provinz Imperia: Los ging es zunächst zum Gedenkort des Massakers von Testico, das am 15.4.45 begangen wurde und bei welchem 29 Anwohner*innen getötet wurden. Hier erklärte Chris anschaulich die Situation zu dieser Zeit in Testico und ging auf die heutige durchaus widersprüchliche Erinnerungskultur ein. 

Danach ging es weiter zum Passo Ginestro, von dem aus wir eine sehr beeindruckende Aussicht auf die Umgebung hatten. So konnten wir einen Eindruck davon bekommen, in welchen Gebieten die Partisan*innen unterwegs waren und mit welchen Heraus-forderungen sie konfrontiert waren. 

Anschließend fuhren wir weiter durch die Berge zum Passo San Bernardo di Conio, an welchem sich die Gedenkstätte zur Schlacht des Monte Grande sowie einige Plaketten zu Gedenken an Partisan*innen befinden. Mit Blick auf den Gipfel erklärte Chris eindrucksvoll, wie die Partisanen am 5.9.1944 die faschistischen deutschen und italienischen Stellungen, die auf seinem Gipfel errichtet worden waren, angegriffen haben, sie vertreiben konnten und damit einen Korridor für die Partisan*innen in Richtung Berge öffneten.

Danach fuhren wir weiter, um am Colle di Oggia auf 1100m Höhe unsere Mittagspause zu verbringen, Kuhglockenläuten und wunderschöne Aussicht inklusive 😉

Doch unser Tagesausflug war damit noch nicht beendet. Weiter ging es zum Partisan*innenmuseum in Carpasio. Dort wird 2x/Tag das Lied „Fischia il vento“, das wir am Sonntag kennen gelernt hatten, als Glockenläuten gespielt. Wir haben im Partisanenmuseum eine Führung bekommen und durften uns beim anschließenden Beisammensitzen mit Snacks und leckerem Wein mit dem Bekenntnis von Hans Gasparitsch ins Gästebuch eintragen. Erschöpft und voller neuer Eindrücke endete der Tag mit einem leckeren Essen von Susi. In der allabendlichen Runde tauschten wir uns über die Eindrücke des Tages aus und diskutierten in Kleingruppen bis in die Nacht.

Dienstag, 16.6.: Der Tag sollte die Rolle und Bedeutung der Partisanen in den Städten anhand der GAP thematisieren. Er war wieder in mehrere Stationen aufgeteilt und begann mit der Fahrt zum zentralen Friedhof von Imperia, auf welchem ein großes Partisan*innenmausoleum errichtet ist, an dem aller in der Region gefallener Partisan*innen gedacht wird. Chris berichtete eindrücklich von der Zeit des italienischen Faschismus in der Stadt und der Provinz Imperia, dem Widerstand dagegen und ging auf die unterschiedlichen Bedingungen und Aktionsformen von Stadt und Land ein.

Danach fuhren wir zum Hafen von Oneglia, dem alten Industriehafen Imperias. Dort wollten wir uns die Gedenktafel anschauen, die der Partisaneneinheit, die den Hafen vor der Sprengung durch die Nazis bewahrt hat, gewidmet war. Leider mussten wir feststellen, dass die Tafel mittlerweile nicht mehr da war und uns auch niemand sagen konnte, was damit passiert ist. Nachdem die Tafel bereits vor einigen Jahren immer schlechter zu lesen war, erklärte uns Chris, dass dies durchaus ein Zeichen für die aktuelle Erinnerungskultur in Italien sein könne. 

Nach der Mittagspause, in welcher wir Imperia besichtigen konnten, ging es weiter in die Berge nach Torre Paponi, das 1944 durch eine große Vergeltungs-aktion der Nazis zerstört wurde, wobei 28 Menschen ermordet wurden. In einer eindrücklichen Gedenkstätte wurde der ermordeten Personen gedacht.

Danach fuhren wir weiter nach Cervo, dort konnten wir die Stadt besichtigen oder uns im Meer abkühlen. Dieses Mal organisierten wir das Abendessen selbstständig, es gab sehr leckere Vorspeisen und köstliche Pasta mit dreierlei Soßen.

Mittwoch, 17.6.: An diesem Tag wurde nach einer Einführung zur aktuellen Situation in Italien und der Vorbereitung auf den kommenden Tag in Genua in Kleingruppen unterschiedliches unternommen: Kaffee trinken in Savona, Strand in einer kleinen Bucht bei Savona besuchen, Einkaufs- und Essensbummel in Andora machen oder einen entspannten Tag im Roggio verbringen standen auf der Tagesordnung. Abends kochten wir wieder selbstständig, dieses Mal gab es Pasta mit Sugo, Salat und Melone. Am Abend wurde gemeinsam der Film „Geschenkt wurde uns nichts“ angeschaut, der die Lebensgeschichte der Partisanin Laila, erzählt. Die anschließende Diskussion auch unter Berücksichtigung der aktuellen Situation in Italien war interessant und zog sich in die späten Abendstunden.

Donnerstag, 18.6.: Am Donnerstag fuhren wir nach Genua. Dort besuchten wir zunächst das Casa della Studente, ein Student*innen-wohnheim, das in der Zeit zwischen September 1943 und April 1945 Gestapohaupt-quartier war. Mitten in der Mensa des Student*innen-wohnheims befinden sich ehemalige sehr kleine Zellen der Gestapo. Auch heute noch sieht man an den Wänden Einkerbungen und Nachrichten aus der Zeit. Es wurde dort in den 1970ern – neben dem heutigen normalen Student*innen-betrieb – ein Widerstandsmuseum errichtet, welches auf diese Zeit aufmerksam macht. Hier wurde deutlich, wie die Zeit des italienischen Faschismus nach dem Krieg zunächst in Vergessenheit geraten sollte und welche Bemühungen es benötigte, diese Zeit wieder sichtbar zu machen und daran zu erinnern. Anwesend war auch einer der Studenten, der die Zellen wieder freigelegt und maßgeblich zur Erinnerung daran beigetragen hat.

Danach schauten wir uns die Resistenza-Gedenkstätte für alle Partisan*Innen Liguriens an der Ponte Monumentale an und anschließend besuchten wir den Gedenkstein für Carlo Guiliani, der während der Anti-G8-Proteste in Genua 2001 getötet wurde. 

Den restlichen Tag verbrachten wir in Genua, erkundeten die kleinen Gassen und den alternativen Ort Giardini Emanuele Luzzati und fuhren dann wieder zurück ins Roggio. Dieses Mal wurden wir wieder von Susi bekocht, die einen leckeren Salat, Lasagne und kleine Törtchen zauberte.

Freitag, 19.6.: Der Tag begann mit der Fahrt über Albenga nach Alto und Madonna di Lago im Val di Pannvaira. Dort machten wir eine Wanderung zum Gedenkort des Mordes an Felice Cascione, dem (Mit-)Komponisten des Lieds „Fischia il vento“, der dort in den Bergen von Faschisten getötet worden ist. Chris ging auf die Hintergründe des Mordes ein sowie darauf, was danach passierte und welche Bedeutung das Gedenken an ihn noch heute hat. Während eine Gruppe die Zeit am Bergsee (eher Tümpel ;)) verbrachte, machte sich die andere Gruppe an den Aufstieg auf den Monte Dubasso. Am Gipfel angekommen, gab es auf 1500 Meter neben einer grandiosen Aussicht die Mittagspause und ein Vesper. 

Im nahegelegenen Alto, in dem Fiscia il vento zum ersten Mal öffentlich gesungen wurde, gingen wir zu angebrachten Plaketten für Felice Cascione, bei der uns ein weiteres Mal die widersprüchliche Erinnerungskultur vor Augen geführt wurde. Während auf der ersten Plakette noch der Originaltext abgedruckt wurde, war auf der einige Meter entfernten zweiten Plakette der Text deutlich entschärft abgedruckt. Daneben fand sich ein Kunstwerk, der den Chor der Partisanen beim Singen des Liedes zeigte. 

Abends wieder im Roggio angekommen nahmen wir uns Zeit für eine gemeinsame Abschlussreflexion. Ausgehend von unseren Eindrücken der vergangenen Tage diskutierten wir, welche Lehren sich aus der Geschichte der Resistenza für die Gegenwart ziehen lassen. Dabei ging es um den Umgang mit Erinnerungskultur, das Erstarken rechter und autoritärer Kräfte in Italien, Deutschland und anderen europäischen Ländern sowie um die Frage, wie antifaschistisches Engagement heute aussehen müsste.

Am Abend wurden wir ein letztes Mal von Susi bekocht, dieses Mal gab es (zur Wiedereinstimmung auf Deutschland) Semmelknödel mit dreierlei leckeren Soßen und zum Nachtisch Schokokuchen.

Samstag, 20.6.: Nach einer tollen Woche voller spannender, erhellender und informativer Eindrücke, toller gemeinsamer Zeit und la dolce vita ging es schweren Herzens zurück nach Stuttgart. Vielen Dank an Susi und Chris für die tolle Begleitung der Bildungsreise, eure Offenheit und die gemeinsame Zeit. Danke an alle, die an der Bildungsreise teilgenommen haben, wir hoffen, es hat euch ebenso gut gefallen, wie uns. 🙂


Casa Roggio: www.instagram.com/casa_roggio/

Salamandre – Reisen in Ligurien: www.salamandre.de

Rosa Luxemburg Stiftung: www.rosalux.de